Facebook, Cambridge Analyticaund Ihre Daten – Jahresrückschauzum Skandal um persönliche Daten



Am vergangenen Sonntag haben die Zeitungen die Geschichte von Cambridge Analytica neu publiziert. The Guardian und die New York Times gaben vor einem Jahr bekannt, dass die britische, politische Beratungsfirma ohne Erlaubnis die persönlichen Daten von Millionen Facebook-Nutzern sammelte und vermarktete.


Cambridge Analytica musste nur wenige Monate nach dem Skandal Insolvenz anmelden. Der Grossteil der Empörung jedoch fiel auf Facebook, weil sie dies geschehen liessen. Mark Zuckerberg, Gründer und Chief Executive des Social-Media-Unternehmens, musste vor Politikern in den USA und Europa Stellung beziehen und Auskunft geben. Seither hat Facebook unermüdlich daran gearbeitet, seinen Ruf zu verbessern und das Vertrauen der Öffentlichkeit wiederherzustellen.

Weiter in der Geschichte: Facebook verurteilt zu einer Geldstrafe in der Höhe von 500.000 £ wegen Cambridge Analytica-Skandal

Die Auswirkungen des Skandals sind immer noch spürbar. Aus diesem Anlass habe ich mehrere Tech-Experten gebeten, sich mit dem Vorfall auseinanderzusetzen und zu untersuchen, wie

sich dies nicht nur auf Facebook, sondern die gesamte Tech- Industrie ausgewirkt hat.


Was wirklich passierte?


Mit einer Umfrage-App "Dies ist Ihr digitales Leben" erhielt Cambridge Analytica die Einwilligung, auf Daten von Hunderttausenden von Facebook-Nutzern zuzugreifen.


Aufgrund des Designs der Social-Media-Site konnte das Unternehmen jedoch Informationen aus dem gesamten Freundesnetzwerk dieser Benutzer abrufen – wohlgemerkt ohne Erlaubnis dieser Personen! Facebook schätzt, dass Cambridge Analytica dadurch Daten von mehr als 87 Millionen Profilen erhalten hat.


Laut der New York Times enthielten diese Daten genügend Details, um psychologische Profile von Nutzern zu erstellen. Daraus konnte die Art der Werbung ergründet werden, für die sie am anfälligsten wären.


Es wird behauptet, dass diese Daten ebenfalls verwendet wurden, um Wähler in politischen Kampagnen zu beeinflussen. Fokussiert waren diese Aktionen auf das Brexit-Referendum

und die US-Präsidentschaftswahlen 2016.


Wichtig zu wissen ist, dass dies technisch gesehen kein Datenschutzvergehen war. Stattdessen handelte es sich um "Bulk Data Sharing" sagt Ben Lorica, Chefdatenwissenschaftler

bei O'Reilly Media.


"Dies war auf mangelnde Offenlegung und Information zurückzuführen" erklärt er. „Benutzerdaten wurden nicht nur über ein Programm für Facebook-Entwickler zur Verfügung

gestellt, sondern Kopien der Daten wurden auch bei Programmteilnehmern gespeichert. Cambridge Analytica hatte einfachen Zugriff auf riesengrosse Datenmengen. Die Benutzer

hingegen wussten nicht einmal, dass sie ihre Daten weitergegeben hatten"


Wie hat Facebook reagiert?


Das Unternehmen hatte einen grossen Erfolg von dem Skandal. Danach fiel sein Aktienkurs. Zuckerberg musste im US-Senat in einer Anhörung vor Politikern aussagen und Facebook sah sich

Sanktionen ausgesetzt, darunter einer Geldstrafe von 500.000 GBP vom britischen Information Commissioner's Office.


Finanzielle Sanktionen dürften das Unternehmen kaum schädigen. Doch ist es inzwischen zum Aushängeschild für Datenmissbrauch geworden. Im vergangenen Jahr war es ständiger Kritik ausgesetzt, weil sie die Daten der Benutzer offensichtlich nicht schützen konnten.


In Zuckerbergs jüngster Ankündigung war zu hören, dass Facebook sich in Richtung Privatsphäre und private Unterhaltung bewegen wird. Er will Nutzer davon abhalten, Sendungen öffentlich zu machen.


Diese neue Richtung ist jedoch gleich auch in die Kritik geraten.


„Was bedeutet das von Zuckerberg, der anerkennt, dass sie derzeit keinen guten Ruf für den Aufbau von seriösen Datenschutzdiensten haben?" fragt Audra Simons, die Direktorin von Forcepoint Innovation Labs.


Sie fügt hinzu, dass die Erklärung aufzeigt, dass Facebook die Wichtigkeit des Datenschutzes anerkennt. Sie bezweifelt jedoch, dass sich der Datenschutz ändern wird. Das Geschäftsmodell basiert auf dem Sammeln von persönlichen Daten. Diese helfen den Marken dabei, Nutzer mit gezielten Anzeigen anzusprechen. Das Geschäftsmodell müsste komplett verändert werden, um die Befürchtungen von über ihre Privatsphäre besorgten Benutzern zu zerstreuen.


Was ist mit den Vorschriften?


Im vergangenen Jahr wurden in mehreren Ländern und US-Bundesstaaten neue Vorschriften eingeführt, darunter die EU- Datenschutzgrundverordnung (GDPR) und das California

Consumer Privacy Act. Der Prozess für deren Umsetzung hatte lange vor dem Cambridge Analytica-Skandal begonnen.


Der Skandal hat jedoch auf die Notwendigkeit weiterer Regelungen hingewiesen. Diese sollen es Tech-Unternehmen wie Facebook viel schwieriger machen, Benutzerdaten für ihre Zwecke zu nutzen.


"Der Cambridge Analytica-Skandal hat weltweit auf Geschäftsmodelle aufmerksam gemacht, die auf personenbezogenen Daten aufbauen" sagt Duncan Brown, Chief Security Strategist (EMEA) von Forcepoint.


„Die Grundlagen der DSGVO gewinnen langsam weltweite Auswirkungen. Unternehmen werden dies möglicherweise noch nicht realisieren, aber die internationalen rechtlichen Rahmenbedingungen beginnen sich auf die europäischen Standards zu verschieben.

„Das bedeutet, dass die Regulierung kommen wird, ob nun Facebook und Co. ihre Lektion gelernt haben oder nicht. Alle Social Media- und Data-Sammel-Unternehmen werden die

Auswirkungen spüren.“


Hat das Vertrauen der Öffentlichkeit abgenommen? Durch den Vorfall wurde das Thema der persönlichen Daten und der Privatsphäre im Allgemeinen sensibilisiert. Infolgedessen ist das Vertrauen der Verbraucher in Technologieunternehmen wie Facebook stark zurückgegangen.

"Der Cambridge Analytica-Skandal hat den Wert personenbezogener Daten an die Spitze der Nachrichten katapultiert. Viele Verbraucher bewerten zum ersten Mal die Bedeutung ihrer Online-Präsenz" sagt Derek Roga, Chief Executive von Equiis Technologies.


"Ihnen wurde bewusst, dass sie im Wesentlichen das Nebenprodukt eines für alle kostenlosen Services sind. Sie nutzen und tauschen ihre Daten gegen Funktionen aus, die sie

kostenlos nutzen, z.B. Facebook."


Dieses Bewusstsein hat dazu geführt, dass sowohl Benutzer als auch Aufsichtsbehörden erneut aufgefordert sind, die Kontrolle über die Verwendung von personenbezogenen Daten durch

Unternehmen zu verbessern und die Datenerhebung genauer zu kontrollieren, so Lorica.


"Nicht nur Benutzer haben Angst davor, Opfer eines solchen Datenmissbrauchs zu werden, sondern auch Unternehmen. Damit ändert sich die Haltung gegenüber dem Datenaustausch

generell" behauptet er. „Immer mehr Unternehmen signalisieren, dass sie den Datenschutz und die Anliegen ihrer Nutzer und Aufsichtsbehörden ernst nehmen.“


„Die Haltung der Unternehmen zu Datenschutz und die Monetarisierung wird für einige kleine und grosse Unternehmen zu einem Wettbewerb. Apple ist ein hervorragendes Beispiel für ein Unternehmen, das die Messlatte für Datenschutz und Datenerhebung hoch ansetzt. Immer mehr Unternehmen beginnen dem Beispiel zu folgen.“

„Trotz dieses grösseren Bewusstseins für personenbezogene Daten haben sich die Einstellungen und das Verhalten der Verbraucher nicht grundlegend geändert,“ argumentiert Alan EJ Jones, Chief Executive und Mitbegründer der privaten Messaging-App Yeo.


„Die Nutzer unterstützen Facebook weiterhin mit unserer täglichen Schirmherrschaft für das La La Land anderer Menschen. Im Gegenzug wird Facebook durch den Abbau unserer Daten weiter kapitalisiert,“ sagt er. "Man fragt sich wirklich, was es für Verhaltensänderungen bei den 2,3-

Milliarden-Facebook-Kunden braucht, um tatsächliche Veränderungen herbei zu führen."


Jones fügt hinzu, es sei denn, die Leute brechen ihre Angewohnheit von Facebooks App-Dach wie WhatsApp, Messenger und Instagram ab, um das Einkommensmodell des Unternehmens zu schädigen. Wir werden niemals das Verhalten des Unternehmens ändern können.


Kurz gesagt


Der Cambridge Analytica-Skandal war ein Schock für die Tech- Industrie. Viele Unternehmen wurden gezwungen, ihre Daten- und Datenschutzrichtlinien neu zu bewerten, um auf

zunehmende Vorschriften und Anforderungen von Verbrauchern und Behörden zu reagieren, die sich auf den Datenschutz beziehen.


Lesen Sie mehr dazu: UK Data Watchdog fordert "signifikante Änderungen" bei Facebook


Facebook bekam letztendlich den grössten Teil von dem Vorfall ab, vielleicht zu Unrecht - schliesslich war es Cambridge Analytica, die die Daten sammelte. Es war jedoch die Aufgabe

der Social-Media-Plattform, die Informationen ihrer Nutzer zu schützen. Seitdem ist sie unter immensen politischen und wirtschaftlichen Druck geraten, ihr Geschäftsmodell zu ändern.

Wie ernst und effektiv diese Angelegenheit für den Datenschutz sein wird, bleibt abzuwarten. Facebook hat durch die Nutzung personenbezogener Daten ein Geschäftsimperium aufgebaut.

Es wird also eine Herausforderung sein, sein Modell über Nacht erheblich zu ändern.


Wenn sich Facebook jedoch nicht ändert und von einem anderen Datenskandal oder einer vergleichbaren Intensität in der Grössenordnung des Vorjahres getroffen wird, könnte sich

dies als der endgültig letzte Nagel im Sarg seines weltbeherrschenden Unternehmens sein.

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